Sechs Landesmeistertitel für die MTV 49-Leichtathleten

Drei Tage Landesmeisterschaften der Leichtathleten aller Altersklassen – Lingen hatte sich eine Mammutveranstaltung aufgeladen, und entledigte sich dieser Aufgabe bravourös. Leider litt dieses Elite-Event unter anhaltendem Wetterchaos: Stürmischer Wind, heftige Regenschauer und die niedrigen Temperaturen eines deutschen Juni ließen die Athletinnen und Athleten frösteln, verbliesen die Präzision der Anläufe – und mittendrin die Leichtathleten des MTV 49 Holzminden, die sich trotz

aller Widrigkeiten mit sechs Meistertiteln schmücken konnten.

Seine erdrückende Überlegenheit im Halbfinale über 100 Meter machte Paul Stebner zum großen Favoriten auf der kurzen Sprintstrecke – mit 11,17 Sekunden als neuer Bestzeit setzte er ein deutliches Ausrufezeichen. Im Endlauf kam es dann aber unerwartet zu einem mitreißenden Duell zwischen dem MTVer und einem Sprinter aus Hannover, der Stebner während des gesamten Rennens buchstäblich nicht von der Seite wich. Dieser jedoch hat inzwischen Erfahrung mit dem entscheidenden Moment, bei dem man mit weiter Vorlage die Ziellinie überläuft. So auch diesmal: Der Sprung ins Ziel brachte den entscheidenden Vorsprung, der den MTVer zum 100-Meter Landesmeister machte – ein Titel, den Stebner selbst mit Überraschung quittierte. „Ich habe noch keinen Holzmindener Leichtathleten gekannt, der etwas Anderes konnte, als Stabhochsprung!“ kommentierte der Sprecher der Siegerehrung diesen Erfolg mit Augenzwinkern. Und der Stabhochsprung stand ja auch noch aus. Anike hat Geburtstag Doch es blieb nicht bei dem einen Titel. Am folgenden Tag ging Paul Stebner als haushoher Favorit in das Rennen über 110 Meter Hürden. Vielleicht nahm er auf Grund seiner Überlegenheit das Halbfinale nicht so ganz ernst, und so überraschte ihn sein Dauerkonkurrent Noah Bölke aus Stade in einem direkten Zweikampf als Sieger des Laufes. Doch der MTVer lernte in der Zeit bis zum Finale aus den Mängeln des Laufes, ging mit völlig anderer Einstellung in den Endlauf, in dem sein Konkurrent abermals auf der Bahn neben ihm stand. Doch Stebner ließ sich nicht noch einmal überrumpeln, brachte die zehn Hindernisse reibungslos hinter sich und belohnte sich mit seinem zweiten Landesmeistertitel. Julika schreit Klara zum letzten Wechsel der Sprintstaffel Während Stebner sich in beiden kurzen Sprints als Meister durchsetzen konnte, hatten Anna Rieger in U20 und Anike Pallas in W15 das Pech, um winzige fünf Hundertstelsekunden das Finale über 100 Meter zu verpassen. Als Trost blieb beiden eine persönliche Bestzeit, die besonders Anna nah an die 13-Sekunden-„Schallmauer“ heranbrachte. Beide Sprinterinnen nutzten ihre Verbesserungen später in der 4x100-Meter-Staffel, in der Anike, Anna, Julika Thimm und Klara Härke – diesmal für die verhinderte Laura Robelski als Schlussläuferin eingesetzt – nach guten Wechseln am Ende über ihre neue Bestzeit von 51,58 Sekunden jubeln durften. Der vierte Platz war da eher Nebensache. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Höhenjägerinnen ihr Tagwerk bereits erfüllt, vier Titel eingeheimst und der Konkurrenz wieder einmal keine Chance gelassen. Trotz der katastrophalen Windverhältnisse flog Klara Härke als alte und neue U20-Meisterin sicher über 3,60 Meter. Da sie den längsten Anlauf aller Teilnehmerinnen hat, leidet sie am meisten unter den Unwägbarkeiten der äußeren Bedingungen. Julika Thimm hat es da mit ihrem verkürzten Anlauf einfacher; sie wurde hinter Klara Vizemeisterin. Die Klara fliegt im Sturm zum Meister-Titel eigentlich größte Überraschung lieferte Pia Moszczynski, die in Ruhe und Gelassenheit dem Sturm trotzte, sich zur Meisterin der Frauen krönte und mit einem breiten, zufriedenen Grinsen ihre neue Bestleistung von 3,40 Metern feierte. Am zweiten Tag machten die Kremers-Zwillinge den Anfang. Mona und Klio begannen als noch 12-jährige in der W14-Klasse bei zwei Metern, und es war schnell klar, dass der Titel nur über die beiden MTVerinnen gehen würde. Als Klio als Einzige im Wettbewerb verbliebene Springerin 2,40 Meter gemeistert und sich damit etwas überraschend als Landesmeisterin durchgesetzt hatte, musste sie ihre Schwester Mona trösten, die – eigentlich favorisiert – als Vizemeisterin wie in der Halle das familiäre Nachsehen hatte. Anna besiegt sich selbst und gewinnt den U18-Titel Körpersprache und Auftreten von Anna Rieger ließen Gutes vermuten im U18-Wettbewerb, und so gewann die MTVerin in einem spannenden Dreikampf mit einer Springerin aus Bremen und einer Athletin aus Peine am Ende souverän. „Dieser Titel ist wertvoller als alle deine anderen zuvor!“ machte MTV-Trainer Klaus Roloff seiner U18-Athletin Anna Rieger ein Kompliment: Diese hatte es geschafft – diesmal erfolgreich gecoacht von Disziplin-Kollegin Julika Thimm – über ihren eigenen Schatten zu springen, sich gegen die „Stabhochsprung-Krankheit“ der Sprungverweigerung durchzusetzen, um schließlich mit 3,10 Metern und dennoch etwas unerwartet Landesmeisterin zu werden. Klio ist W14-Landesmeisterin Ganz zum Schluss gewann ein sichtlich erschöpfter Paul Stebner, der nach dem Hürdensprint ganz ohne jede Vorbereitung in den Wettbewerb einsteigen musste, noch eine gefeierte Bronzemedaille

Na, wie hab ich das gemacht...?
Na, wie hab ich das gemacht...?