Ein perfektes Leichtathletik-Wochenende
Ein perfektes Leichtathletik-Wochenende
Das Marschwegstadion in Oldenburg war Schauplatz der Leichtathletik-Niedersachsen-meisterschaften der U20- und U16-Jahrgänge. Die fünf jungen Aktiven, die der MTV 49 Holzminden ins Rennen schickte, kehrten mit fünf Meistertiteln zurück – erfolgreichster Athlet der beiden Meisterschaftstage war Paul Stebner: Der junge MTVer gewann allein gleich drei Meisterwimpel im Kugelstoßen, Stabhochsprung und über 80 Meter Hürden.
MTV-Trainer Klaus Roloff bezeichnete die Tage von Oldenburg als perfektes Leichtathletik-Wochenende. „Ich glaube, in meiner ganzen Zeit als Trainer des MTV 49 habe ich nie eine Veranstaltung erlebt, bei der einfach alles so eingetroffen ist, wie wir uns das im Vorfeld ausgemalt haben!“ Natürlich träumen Athleten und Trainer gleichermaßen vor Meisterschaften von einem erfolgreichen Abschneiden, aber dass diese heimlichen Pläne genauso in Erfüllung gehen wie die der MTVer in Oldenburg, ist schon ungewöhnlich. Umso euphorischer war am Ende die Stimmung unter den Holzmindenern. Es begann am ersten Tag buchstäblich mit einer Explosion im Kugelstoßen, als M15-Athlet Paul Stebner das Vier-Kilo-Gerät im ersten Versuch auf 14,01 Meter feuerte und damit die gesamte Konkurrenz erst einmal in Schockstarre versetzte. Der MTVer hatte damit seine persönliche Bestleistung im genau richtigen Moment um fast einen Meter gesteigert; und nicht nur das: Mit dieser Weite hatte er sich die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Ulm erkämpft – gerade einmal ein knappes Jahr, nachdem er seine Leichtathletik-Karriere begonnen hat. Stebner erlebt zurzeit, was man im Allgemeinen wohl als Blitzkarriere bezeichnet. Für seinen ersten Meistertitel reichte dieser erste Stoß, denn niemand konnte den MTVer während der sechs Versuche mehr einholen.
Hatte man im Training auf diesen Ausgang hingearbeitet, widmete man sich – im Hinblick auf Zehnkampf-Einsätze im kommenden Jahr – dem Stabhochsprung eher sporadisch. Aber Know-How, geeignetes Stab-Material und gute Sprünge im Training ließen auch in dieser Disziplin berechtigte Hoffnung aufkeimen. Eingestiegen bei 2,80 Metern war Paul nach erfolgreichem ersten Versuch über drei Meter überraschend bereits Landesmeister. Er machte „den Sack“ endgültig zu, als er auf Anhieb über 3,20 Meter flog, danach im Eiltempo die Wettkampfstätte wechselte um den Vorlauf über 80 Meter Hürden nicht zu verpassen. Ohne jede direkte Vorbereitung dominierte er diese Vorrunde mit der weitaus schnellsten Zeit von 11,58 Sekunden, mit der er seine noch ganz junge Bestzeit aus dem Mehrkampf geradezu pulverisierte und sich damit zum Final-Favoriten machte.
Dieser Endlauf verlief dann aber dramatischer als angenommen, denn Stebner kam zum ersten Mal nicht aggressiv genug aus den Startblock zur ersten Hürde – sonst eine Stärke des MTVers. So lang er dann in einem überraschend geschlossenen Feld kurz vor dem Ziel nur auf Platz vier. Es wird sein Geheimnis bleiben, woher der junge Athlet diese Nervenstärke nimmt, das Rennen auf den letzten Metern doch noch zu seinen Gunsten „umzubiegen“. Mit diesem dritten Titel machte sich Stebner zum erfolgreichsten Athleten der Meisterschaften.
Während der Hürdenvorläufe war M14-Hallenmeister Niklas Robelski nur mehr „mutterseelenallein“ im Stabhochsprung-Wettbewerb, den der erst 13-jährige MTVer in einen Klassenunterschied zur Konkurrenz verwandelte, die er nicht nur in technischer Hinsicht bei weitem in den Schatten stellte. Auch er begann bei 2,80 Metern und war mit einem einzigen Sprung bereits Meister. Auf Grund seiner großartigen Tagesform und den günstigen Windbedingungen konnte er mehrfach den Sprungstab auf ein immer höheres Niveau wechseln und schließlich seine noch frische Bestmarke von 3,25 Metern angreifen und übertreffen. Athlet und Trainer einigten sich schließlich auf 3,41 Meter – der letzte Springer im Wettbewerb darf die Höhe bestimmen –, und der junge MTVer machte auch mit dieser Höhe kurzen Prozess. Erst bei 3,51 Metern musste er die Waffen strecken. Mit seinem Siegesresultat gelang Robelski eine neue deutsche Jahresbestleistung für M13-Stabhochspringer.
Haushohe Favoritin für den U20-Wettbewerb der Mädchen war Anna Rieger; die U18-Springerin sprang gewissermaßen für Klara Härke in die Bresche, die auf Grund schulischer Verpflichtungen nicht teilnehmen konnte. Aber auch ohne die MTV-Überfliegerin blieb der Titel in Holzminden; wohl dem Verein, der „ausfallende“ Athleten sofort so erfolgreich ersetzen kann. Auch wenn die Formkurve bei Anna Rieger zurzeit ein wenig schwankt – in Oldenburg war ihr der Titel mit souverän übersprungenen 3,30 Metern nicht zu nehmen. Die „Absicherung“ folgte der Meisterin auf dem Fuße: Julika Thimm sucht zwar auch noch nach ihrer Bestform, schnappte sich aber ungefährdet den Rang der „Kronprinzessin“.
Der „Sahnekringel“ auf der MTV-Torte war Anike Pallas vorbehalten. Die 14-jährige Sprinterin hatte sich überraschend für diese – ihre ersten – Meisterschaften qualifiziert und bestand diese Bewährungsprobe mit der Teilnahme am Halbfinale in neuer Bestzeit von 13,48 Sekunden. In der privaten Endabrechnung zeigte sich, dass sie nur knapp an der Finalteilnahme vorbeigeschrammt war.



