Zwei norddeutsche Vizetitel für die MTV 49-Leichtathleten
Silber für Anna Rieger und Paul Stebner, Bronze für Tanja Unverzagt
Diese Terminierung kann nur erstaunen: Zeitgleich zu den Deutschen U20-Meisterschaften in Wattenscheid finden die Norddeutschen Titelkämpfe in Bremen statt. Man nimmt damit den Athleten die Chance auf mehrfache Starts, und zerreißen können sich auch Leichtathleten nicht. Auch die Aktiven des MTV 49 Holzminden waren davon betroffen; in Bremern zog sich die kleine Holzmindener Abordnung bei den Norddeutschen Meisterschaften mit neuen Bestmarken und vorderen Platzierungen beachtlich aus der Affäre.
Eine Woche nach seinem hervorragenden Abschneiden bei den deutschen U18-Meisterschaften hatte Paul Stebner noch immer nicht genug. In Bremen stand er erneut über 100 Meter und 110 Meter Hürden am Start. Man hatte in der Woche zuvor im Training auf jegliche Sprintbelastung verzichtet und hoffte, den Effekt der Mehrfachbelastung von Wattenscheid in Bremen gewinnbringend nutzen zu können. Die Rechnung ging besser auf als erwartet. Am ersten Tag stellte Stebner im Vorlauf über 100 Meter mit 11,04 Sekunden exakt seine Bestmarke ein, um dann im Halbfinale einen echten Kracher folgen zu lassen: Mit 10,99 Sekunden „knackte“ der 16-jährige MTVer erstmals die „magischen“ elf Sekunden – eine Grenze, die vor ihm nur drei Vereinsmitglieder unterboten hatten. Da auch der Rückenwind im erlaubten Rahmen blieb, stand der Anerkennung der Zeit nichts im Wege. Das Finale war Zugabe und endete für Stebner auf Rang vier. Seine Paradedisziplin folgte am zweiten Meisterschaftstag. Über 110 Meter Hürden gewann er seinen Vorlauf, lief trotz blutenden Knies fast Bestzeit und stand sicher im Finale. Hier kam es zu einem packenden Vierkampf deutscher Spitzensprinter – und mittendrin der MTVer, der sein bisher bestes Rennen ablieferte. Mit einer überragenden Steigerung von über zwei Zehnteln auf 14,11 Sekunden (bisher 14,32 Sekunden) gewann Paul Stebner die Bronzemedaille und übernahm wieder die Führung unter Niedersachsens Hürdensprintern. Unmittelbar nach dem Hürdenfinale trat er im Kugelstoßen an und setzte sich vom ersten Versuch an in Szene. Überraschend übernahm er im vierten Durchgang mit ausgezeichneten 14,42 Metern die Führung, wurde aber am Ende doch noch auf Platz zwei verwiesen. Silber und die Vizemeisterschaft waren verdienter Lohn für zwei erfolgreiche Tage. Diesen Erfolg verbuchten auch die Stabhochspringerinnen für sich. U18-Athletin Anna Rieger lief zwar über 100 Meter mit 13,04 Sekunden Bestzeit, doch ein ganz schwacher Start verhinderte eine 12er Zeit und die mögliche Teilnahme am Halbfinale. Ihr persönliches Drama folgte am zweiten Tag im Stabhochsprung. Von ihrer Besthöhe, die sie zur Favoritin gemacht hätte, auf Grund von Absprungproblemen weit entfernt, gelang ihr schon beim Einspringen kein einziger Versuch aus acht Anlaufschritten. Zunächst sah es nach Aufgabe aus, doch nach einem kurzen Trainer-Athletin Gespräch entschloss sich Anna zu springen – wenn auch nur aus sechs Schritten. Das gelang so gut und bereitete der zuvor fast verzweifelnden Athletin so viel Spaß, dass sie sich am Ende doch noch über 3,10 Meter und die Vizemeisterschaft freuen konnte. Auch die beiden in der Frauenklasse gestarteten MTVerinnen, Tanja Unverzagt und Pia Moszczynski, waren mit ihrem Auftritt mehr als zufrieden. Als eine Springerin nach der anderen ausschied, sprangen Tanja und Pia unerwartet um Medaillen mit. Letztere versuchte sich als amtierende Landesmeisterin erneut an ihrer persönlichen Bestleistung. Doch obwohl die 3,40 Meter nicht liegen bleiben wollten, war die MTVerin mit 3,30 Metern und Platz vier völlig einverstanden. Einen sehr guten Wettkampf lieferte Tanja Unverzagt ab: Mit 3,40 Metern näherte sich die ehemalige Nordmeisterin wieder ihrer besten Form, mit der sie im Wettkampf auf immer härtere Stäbe wechseln konnte und ihre besten Sprünge seit langem zeigte. Die unerwartete Bronzemedaille war der Lohn für die gelungene Vorstellung. Zur selben Zeit begleitete Annika Roloff ihren Schützling Klara Härke zu den deutschen Meisterschaften nach Wattenscheid, wo der Stabhochsprung zu ungünstiger Morgenstunde schon kurz vor Zehn Uhr stattfand. Klaras Trainingssprünge der zurückliegenden Woche ließen mehr erwarten als die 3,80 Meter, mit denen die MTVerin bei weitem nicht ihr Potenzial ausschöpfen konnte und die ihr am Ende den achten Platz bescherten.

