Zwerge im Regen

MTV-Stabhochspringerinnen beeindrucken auch in Hamburg. Die Stabhochspringerinnen des MTV 49 waren auch im Hamburger „Schmuddelwetter“ eine Klasse für sich.

Der Hamburger SV wagte einen Neustart: Nach zwei Jahren Corona-Pause erfuhr Deutschlands größtes Leichtathletik-Nachwuchssportfest „Fest der 1000 Zwerge“ eine Wiederbelebung. Vielleicht wurde die 1000er-Marke nicht ganz erreicht, aber die Jahnkampfbahn im Hamburger Stadtpark war für zwei Tage wieder die große Bühne für zahlreiche junge Aktive, die zum Teil mit grandiosen Leistungen glänzten.
Dabei waren die äußeren Bedingungen alles andere als leistungsfördernd. „Leichtathletik wie im U-Boot“ wie es ein Trainer ausdrückte, denn es regnete fast unaufhörlich, das Wasser war buchstäblich überall und die Kälte kroch durch jede Faser. Die jungen Leichtathletinnen und Leichtathleten der Jahrgänge U16 und jünger waren nicht zu beneiden: Verwöhnt durch das Sommerwetter der letzten Monate waren dies nun ungewohnte Herausforderungen. Stabhochsprung bei diesem Wetter? Eigentlich undenkbar, aber die „Zwerge“ des MTV 49 Holzminden zeigten, dass es trotz aller Widrigkeiten möglich ist – auch wenn es diesmal nicht der ganz große Spaß war. Dass den Springerinnen im Einspringen auch noch die letzten notwendigen Sprünge verweigert wurden, spricht auch nicht gerade für das Fingerspitzengefühl eines Kampfgerichts, das wie die Trainer auch für die Sicherheit der Teilnehmer Sorge tragen muss. Erstaunlich genug, dass es Laura Käse unter diesen Bedingungen sogar gelang, mit 2,25 Metern eine neue persönliche Bestleistung aufzustellen, die sie ausgiebig bejubelte. Damit wurde sie Dritte der W15-Wertung. Mit 2,45 Metern und beachtlichen Sprüngen verabschiedeten sich Julika Thimm und Friederike Hennigfeld aus den Wettbewerb: Julika zeigte sich technisch weiter verbessert und konnte mit dieser Höhe sogar die W14-Wertung für sich entscheiden, Friederike landete damit auf
Platz zwei der W13-Altersklasse. Nach zwei schwächeren Wettkämpfen fand Landesmeisterin Anna Rieger endlich den „roten Faden“ wieder, scheiterte nach 2,75 Metern nur knapp an der neuen Besthöhe von 2,85 Metern und holte sich damit überlegen den Sieg in W13. Danach flog sie beim Weitsprung zwei Mal exakt auf die neue Bestweite von 4,69 Meter, mit denen sie den Wettbewerb der W14 als Fünfte, aber Beste ihres jüngeren W13-Jahrgangs beendete.
Zu diesem Zeitpunkt waren alle anderen Springerinnen längst ausgeschieden, und erst jetzt griff Klara Härke in den Wettbewerb ein, nachdem sie sich lange unter einer Decke so gut wie möglich warmgehalten hatte. Eine Rest-Unsicherheit nach ihrem unerklärlichen schwachen Auftreten bei den norddeutschen Meister-schaften in Rostock schien sie noch mit sich herumzutragen, doch nacheinem „Haus“ über 3,05 Meter waren diese ausgeräumt – nie zuvor war sie so hoch in einen Wettbewerb gestartet. Hohe und sichere Sprünge über 3,25 und 3,45 Meter brachten ihr den W15-Sieg ein, doch am avisierten neuen Stadionrekord von 3,55 Metern scheiterte sie dreimal knapp - dabei wollte sie damit unbedingt ihre Trainerin Annika Roloff ablösen, die den Hamburger W15-Rekord seit 2006 mit 3,52 Metern innehat. Die 100 Meter sind für Jasper Titze viel zu kurz, und so hatte der Ausdauerspezialist über diese Strecke keine Chance. Über 800 Meter lief er von Beginn an mutig ein hohes Tempo mit und wurde am Ende mit der neuen Bestzeit von 2:34,08 Minuten belohnt, volle acht Sekunden schneller als zuvor. Eine unerwartete Bestmarke gelang auch der U16-Sprintstaffel der Mädchen über
4x100 Meter: In der Besetzung Klara Härke, Anna Rieger, Friederike Hennigfeld und Julika Thimm als starker Schlussläuferin für die verhinderte Lilly Rathmann lieferten die vier MTVerinnen auf der ungünstigen Innenbahn ein tolles Rennen mit guten Wechseln ab. Platz fünf in 55,36 Sekunden – Maßarbeit mit einer Hundertstelsekunde schneller als bisher – waren ein gelungener Abschluss der
Expedition in die Hansestadt. Tags darauf versuchten sich drei MTVerinnen beim Mini-Stabhochsprung-Wettkampf in Bad Gandersheim. Beste der drei war Tanja Unverzagt, die trotz einiger technischer Unsicherheiten als beste U18-Athletin über 3,20 Meter flog. Frauensiegerin Marlen Weinert knackte endlich wieder
die drei Meter und stellte mit 3,10 Metern eine neue Freiluft-Jahresbestleistung auf. Als Zweite der Frauenwertung übersprang Yasemin Büsel erneut 2,70 Meter.

Zwerge im Regen MTV-Stabhochspringerinnen beeindrucken auch in Hamburg
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