Zehn Zentimeter fehlen Klara Härke zu Bronze
Drei MTV-Stabhochspringerinnen bei den deutschen Jugendmeisterschaften
Die deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften sind für alle jungen Leichtathletinnen und Leichtathleten DER Höhepunkt der Hallensaison – die Dortmunder Helmut-Körnig-Halle hatte sich herausgeputzt für den größten Auftritt des deutschen Nachwuchses. Und auch diesmal waren ieder Holzmindener Aktive am Start: Der MTV 49 war gleich mit drei Stabhochspringerinnen vertreten und war damit in puncto Teilnehmerinnenzahl besser als jeder andere deutsche Verein – ein deutliches Ausrufezeichen für die Arbeit des MTV-Trainerteams mit Annika und Klaus Roloff; beide zeigten sich nach dem Wettkampf hoch zufrieden mit dem Abschneiden ihrer Schützlinge.
Das Meisterschaftsspringen begann bei 3,40 Metern recht anspruchsvoll, denn gleich bei dieser Höhe musste die erste Athletin die Segel streichen. Diesem Schicksal ging Lilly Rathmann aus dem Weg, als sie mit ihrem dritten und letzten Versuch über diese Höhe erfolgreich im Wettbewerb blieb. Ihr Jubel war verständlich: Vier Wochen lang war für die junge MTVerin kein Schnelligkeits- oder Sprungtraining möglich gewesen, ganz zu schweigen von „lebenswichtigen“ Übungen mit dem Stab. Gleich zu Anfang des Jahres hatte sie sich beim Auftaktwettkampf in Leverkusen am Fuß verletzt, und so stand bis zuletzt ein großes Fragezeichen hinter ihrer Teilnahme an diesen Meisterschaften. „Ich habe mich qualifiziert – also will ich auch springen!“ unterstrich die MTVerin ihre Entschlossenheit mit dieser fast trotzigen Aussage. Die Platzierung – Lilly Rathmann wurde 13. – geriet ob dieser Voraussetzungen zur Nebensächlichkeit – es überwog der Stolz, nicht dem berüchtigten Salto Nullo zum Opfer gefallen zu sein.
Anna Rieger, die Jüngste aller Teilnehmerinnen, machte mit der Anfangshöhe kurzen Prozess und hakte die 3,40 Meter im ersten Anlauf ab. Es war erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die MTVerin diese Herausforderung erledigte, war sie doch noch nie in ihrer jungen Karriere so hoch eingestiegen. Auch die sofortige Steigerung auf 3,55 Meter konnte sie nicht schrecken: Gleich im ersten Versuch überquerte sie die Latte souverän und machte damit Appetit auf weitere Höhenflüge. Diese blieben allerdings aus, obwohl Anlauf und Absprung eigentlich mehr versprachen; die nächste Höhe von 3,70 Metern hätten neue persönliche Bestleistung bedeutet, doch diese Steigerung erwies sich an diesem Tag als zu schwer. Die obere Sprungphase und Lattenüberquerung bleiben für die junge MTVerin immer noch eine fragile Angelegenheit und erfordern weitere Trainingsarbeit. Anna war am Ende aber überrascht von ihrer Platzierung: Mit einem Rang unter den ersten Acht und damit der Zulassung zur Siegerehrung hatte man im Vorfeld geliebäugelt; der siebte Platz war daher am Ende ein großer Erfolg. Auch Klara Härke, die Siebte der Meisterschaften des vergangenen Jahres, nahm den Wettbewerb bei 3,40 Metern auf, und dieser frühe Einstieg war dem bisher etwas holprigen Saisonverlauf geschuldet. Landes- und norddeutsche Meistertitel konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die MTVerin in diesem Winter noch nicht die technische Konstanz gefunden hat. Aber weder die Anfangshöhe noch die folgenden 3,55 Meter bereiteten Probleme. Bei 3,70 Metern benötigte Klara zwei Versuche, aber in ihrem zweiten erfolgreichen Sprung blitzte wieder ihr großes Können auf: wie kaum eine andere Springerin „leben“ ihre Sprünge von ihrem kompromisslosen, aggressiven Anlauf, mit dem sie ihre geringere Körpergröße zum Teil kompensieren kann. Die folgenden 3,80 Meter würden für die MTVerin eine neue Saisonbestleistung bedeuten, und bei ihrem zweiten Versuch jubelte ihre Trainerin Annika Roloff laut auf: Ganz sicher war ihr Schützling über diese Höhe hinweggeflogen. Zu diesem Zeitpunkt lag Klara auf Medaillenkurs, und als Lotte Gretzler (Mainz) zwei Mal an 3,90 Meter scheiterte, schien Bronze zum Greifen nah. Doch während Klara Härke die Latte drei Mal herunterstreifte, überwand die Mainzerin diese 3,90 Meter gerade noch im dritten Versuch und verwies damit die MTVerin auf den undankbaren vierten Platz. Dennoch: Kein Zeichen von Enttäuschung im MTV 49-Team, denn diese Platzierung war ein Erfolg für die viertbeste deutsche Stabhochspringerin und wurde auch entsprechend gefeiert. Man war sich darüber im Klaren, dass die drei Medaillengewinnerinnen an diesem Tag nur mit ganz viel Glück in Bedrängnis zu bringen waren.
