Zauberstabhochsprung in die deutsche Spitze

Zum letzten Mal in dieser Leichtathletik-Hallensaison war das Sportleistungszentrum Hannover

Austragungsort von Niedersachsenmeisterschaften. Diesmal standen die Titelkämpfe der Alters-klasse U16 und U20 auf dem Programm. Wieder einmal waren es die Stabhochspringerinnen des MTV 49 Holzminden, die die Szene nach Belieben beherrschten und noch einmal drei Meister-wimpel mit an die Weser nahmen.

Für das herausragende Resultat nicht nur des ersten Meisterschaftstages sorgte W14-Titelverteidigerin Anna Rieger. Neuer Anlauf, neue Technik, neuer Stab, neue Höhen – so könnte man kurz den dann doch weitaus dramatischeren Wettkampf-verlauf der jungen MTVerin beschreiben. Mit 2,80 Metern im Gepäck war Anna angereist, um den im Vorjahr an gleicher Stelle erstmals gewonnenen Titel – damals als 13-Jährige in der älteren Klasse – zu behalten. Unsicher über ihre eigene Leistungsfähigkeit begann sie bereits bei 2,30 Metern, hatte sich einen halben Meter später ihrer Konkurrentinnen aus Cloppenburg entledigt und war danach allein im Rennen. Nach mehrfachem Stabwechsel agierte sie erstmals mit einem Vier-Meter-Gerät aus einem 14-Schritt-Anlauf, und dieser Wechsel machte sich mit einer geradezu traumhaften, das versammelte Publikum mitreißenden Höhenjagd bezahlt, die erst bei 3,21 Metern endete. Selbst fassungslos („Ich hatte mir gewünscht, erstmals drei Meter zu schaffen!“) über diese Höhe musste sie zudem erfahren, dass sie sich damit auf Platz zwei der deutschen W14-Stabhoch-springerinnen katapultiert hatte. Deutsche Meisterschaften kommen für Anna noch zu früh, erst im nächsten Jahr darf sie starten. Die Norm-Höhe hat sie bereits jetzt deutlich übertroffen. Friederike Hennigfeld verfehlte zwar ihre persönliche Besthöhe mit 2,60 Metern hauchdünn, konnte sich aber über Platz drei und ihre bis dahin weitaus beste Platzierung bei Landesmeisterschaften freuen. Emma Wolke Wendt sprang mit 2,10 Metern noch auf den siebten Platz. Als Favoritin der W15-Altersklasse war Julika Thimm mit einer Bestmarke von 2,61 Metern angereist – allerdings in „Schlagdistanz“ zweier Springerinnen aus Cloppenburg. Zwar brauchte Julika bei 2,50 Metern zwei Versuche, doch danach war der Wettkampf eine überlegene Angelegenheit der MTVerin, die in der Gewissheit des sicheren erstmaligen Titelgewinns wie befreit sprang und ihre persönliche Bestleistung um fast 30 Zentimeter auf 2,90 Meter hinaufschob. Angesichts dieser Resultate wollten die U20-Athletinnen am zweiten Meisterschafts-Tag natürlich nicht zurückstehen – die Überlegenheit der MTVerinnen erwies sich erneut als geradezu erdrückend. Am Ende standen die ersten vier Plätze und Rang sieben auf dem Holzmindener Konto.   
Nachdem sich Laura Käse auf Platz sieben ausgiebig über ihre neue Bestleistung von 2,30 Metern gefreut hatte, griffen erst jenseits der drei Meter die übrigen vier MTVerinnen ins Geschehen ein. Ihr Wettkampf verlief in technischer Hinsicht zu-nächst äußerst zäh, und die jungen Damen „quälten“ sich erst einmal von Höhe
zu Höhe. Nach 3,20 Metern kapitulierten zuerst Lilly Rathmann als Vierte und Pia Moszczynski, die in der Endabrechnung auf Platz drei landete. Darüber entspann sich das erwartete Duell zwischen U18-Meisterin Klara Härke und der nord-deutschen Meisterin Tanja Unverzagt. Bis 3,50 Meter sprangen die beiden MTVerinnen „im Gleichschritt“; als Tanja jedoch bei 3,60 Metern passen musste, schwang sich Klara als neue Meisterin über diese Höhe und scheiterte danach ganz knapp an der neuen Bestmarke von 3,71 Metern.
Bei den U20-Athleten spekulierte der norddeutsche Vizemeister Janik Meyer ein wenig auf ein Schwächeln des hohen Favoriten Bastian Lanitz aus Bremen, doch der erwies sich erneut als zu stark für den MTVer. Lanitz gewann mit 4,40 Metern, doch Janik hat den Abstand auf den bis dahin scheinbar „übermächtigen“ Bremer deutlich verkürzen können: Mit 4,30 Metern jubelte er bereits zum dritten Mal in diesem Jahr über eine neue Bestleistung und war damit Lanitz auf dem Rang des Vizemeisters bis auf zehn Zentimeter nahegekommen.
Nicht auf der Höhe des Geschehens war diesmal der mit Podiumsambitionen
ins Rennen gegangene Werfer Robin Preußing, der beim U20-Kugelstoßen auf den ersten 13-Meter-Stoß hoffte – seine Trainingsleistungen nährten diese Hoffnung allemal. Doch nach einem ordentlichen Beginn mit 12,33 Metern hatte der MTVer sein Pulver überraschend schon verschossen – Robin wirkte müde und war auch im Verlauf des Wettkampfes nicht zu wecken. So blieb es bei dieser Weite, die ihm Platz vier einbrachte. Keine Chance auf eine ähnliche Platzierung hatte Sprinter Maximilian Schneider über 200 Meter – mit einer Zeit knapp unter 25 Sekunden blieb ihm nur der 15. Rang.

Anna Rieger katapultiert sich in die deutsche W14-Spitze
Anna Rieger katapultiert sich in die deutsche W14-Spitze