Überraschungssprünge in Leverkusen
Es bleibt nicht viel Zeit zum Durchatmen für die Stabhochspringerinnen des MTV 49 Holzminden. Als Abschluss eines dreitägigen Lehrgangs mit den besten deutschen jugendlichen Stabartisten stand in der Leichtathletik-Halle des TSV Bayer Leverkusen mit dem traditionellen „Season Opening“ das erste große Event des neuen Jahres auf dem Programm. Mit dabei: drei Stabhochspringerinnen im roten Trikot mit der markanten weißen 49.
Man darf Zweifel daran hegen, ob solch ein Wettkampf im Anschluss an die Belastungen eines Bundeslehrgangs noch dazu angetan ist, gute Resultate hervorzubringen – zumindest bei denen, die als Mitglieder der verschiedenen Bundeskader Stabhochsprung bereits zwei Tage lang Praxis und Theorie dieser Maßnahme genießen durften. Vor allem aber muss man die Frage stellen, ob die mit internationalem Flair („Season Opening“) gehypte Veranstaltung nicht einen würdigeren Rahmen verdient hätte. Statt Ansagen zu Informationen über beide Sprunganlagen und Teilnehmer, wie sie zum Beispiel in Holzminden gang und gäbe sind, und einer vor allem bei den jüngsten Teilnehmern beliebten Siegerehrung mit Urkundenverleihung lief lediglich während des gesamten Wettkampfes Hintergrundmusik. Sicher waren etliche Teilnehmer mit größeren Erwartungen in die beeindruckende Leichtathletik-Halle des TSV Bayer Leverkusen gekommen. Man erinnerte sich an frühere Veranstaltungen desselben Namens... Anna Rieger, Mitglied des U18-Bundeskaders, musste als Erste am Sonntagmorgen zum Stab greifen – in einem Wettkampf, der zahlenmäßig nur dürftig besetzt war und mit der MTVerin und der deutschen W15-Meisterin Line Gretzler aus Mainz bereits die herausragende Prominenz der Springerinnen auswies. Während des Lehrgangs hatte sich Anna Rieger eine deftige Erkältung eingefangen, aber trotz dieser deutlichen Schwächung wollte sie unbedingt starten. Sie nahm den Wettbewerb bei 3,20 Metern reibungslos auf, und als sie mit ihrem dritten Sprung mit 3,60 Metern ihre noch junge persönliche Bestleistung eingestellt hatte, nötigte dies ob der gesundheitlichen Voraussetzungen selbst dem Bundestrainer Hochachtung ab. Die MTVerin beendete das Springen als Dritte.
Im Rahmen des U20-Wettbewerbs, der erst Stunden später über die Kunststoffbühne ging, waren mit Klara Härke, Mitglied des U20-Bunderskaders, und Lilly Rathmann – als „Zugereiste“ da nicht Teil eines Kaders – zwei MTVerinnen am Start. Mit 3,40 Metern hatte der Veranstalter den Athletinnen eine deftige Aufgabe als Einstiegshöhe präsentiert, gerade einmal drei Zentimeter unter Lilly Rathmanns persönlicher Bestmarke – noch im vergangenen Jahr war sie in Mönchengladbach anlässlich der deutschen U18-Titelkämpfe an jener Höhe gescheitert. Völlig verwandelt stellte sich die MTVerin in Leverkusen vor: Auf Anhieb überflog sie diese „Angsthöhe“ im ersten Versuch, und selbst die heftige 20-Zentimeter-Steigerung zur zweiten Höhe von 3,60 Metern konnte sie nicht schrecken: Auch diesmal brauchte sie nur einen Versuch, um mit diesem neuen Hausrekord auch gleich die Qualifikationshöhe für die deutschen Jugendmeisterschaften in Dortmund abzuhaken. Leider wurde sie dann bei 3,70 Metern durch eine unverständliche Wertung des Kampfgerichts praktisch um einen Versuch betrogen. Trotz dieses Ärgers blieb die Freude über einen unerwarteten dritten Platz unter den besten U20-Springerinnen.
Ein hervorragendes Einspringen machte bei Klara Härke Appetit auf ähnliche Höhen, und für die höhenerfahrene MTVerin bedeuteten die 3,40 Meter auch kein Problem. Leider stellten sich danach Probleme in der Anlaufpräzision ein, die während des Wettkampfes nicht mehr zu beheben waren, so dass die eigentlich Beste der MTVerinnen überraschend schon an 3,60 Metern scheiterte. Trainerin Annika Roloff, die eigens ihrem Schützling hinterher gereist war, musste zunächst Trost spenden, war aber angesichts des Trainingsstandes dennoch mit dem Saisondebüt zufrieden.


