Sensationelle Silbermedaille für Anna Rieger. MTV-Stabhochspringerin wird in Koblenz deutsche Vizemeisterin

Diesen Tag wird Stabhochspringerin Anna Rieger sicher nie vergessen: Bei den deutschen U16-Jugendmeisterschaften in Koblenz präsentierte sich die MTVerin auf den Punkt in Bestform, zeigte den bei weitem besten Wettkampf ihrer noch jungen Karriere und gewann als neue deutsche Vizemeisterin völlig überraschend die Silbermedaille.

Natürlich hatten Anna und ihr Trainer Klaus Roloff im Vorfeld ein wenig von einer Sensation geträumt: Wie verläuft der wichtigste Wettkampf des Jahres? Wie wird das Wetter sein? Welche Höhe muss man anbieten? Wie agieren die Gegnerinnen? Legitime Gedankenspiele, wenn man als viertbeste Deutsche gemeldet ist. Favoritin Line Gretzler (Mainz) würde nicht zu schlagen sein. Aber dahinter...Um solche insgeheimen Überlegungen in Taten umsetzen zu können, hatten Athletin und Trainer noch einmal technische Veränderungen im Training ausprobiert. Außerdem wurden Trainingseinheiten in die Morgenstunden verlegt, da man wusste, dass der Meisterschaftswettkampf ebenfalls morgens stattfinden würde und das Nervensystem mit komplexen Bewegungsabläufen wie dem Stabhochsprung zu dieser Zeit oft schlicht überfordert ist. Anna ist mittlerweile sechsfache Niedersachsenmeisterin und hat zudem zwei norddeutsche Meistertitel in ihrer Trophäensammlung. Aber deutsche Meisterschaften – das ist noch einmal eine andere Hausnummer. Obwohl sich alle Beteiligten immer wieder sagen, dass auch dies „nur“ ein Stabhochsprungwettkampf ist – aber an Ort und Stelle hilft das alles
nichts, besonders, wenn es auch noch die allerersten nationalen Titelkämpfe sind.
Konzentriert und souverän spulte Anna Rieger, die äußerlich die Ruhe selbst schien, die Routinen ihres Aufwärmens und der technischen Vorbereitung ab. Dann aber stellten sich Anlaufprobleme beim Einspringen ein, und die Länge des Anlaufs musste mehrfach nachjustiert werden. Es stellte sich jedoch bei Wettkampfbeginn heraus, dass selbst diese Veränderungen nicht ausgereicht hatten, und so mussten noch während der ersten Versuche die notwendigen Korrekturen vorgenommen werden. Die MTVerin schien davon völlig unbeeindruckt, als ihr der erste Anlauf misslang, sie ihren Sprung aber trotzdem erfolgreich absolvierte. „Ich habe schon gemerkt, dass der Anlauf nicht passte, aber ich wollte den Sprung unbedingt durchziehen!“ Hoch flog sie über die Latte und machte damit Appetit auf die folgenden Höhen. Nach dem hoch gewählten Einstieg bei 3,05 Metern – hier waren von den elf angetretenen Athletinnen bereits zwei ausgeschieden – machten auch die folgenden 3,20 Meter keine Mühe, und auch 3,30 Meter bewältigte Anna problemlos. Damit näherte sie sich bereits ihrer Freiluftbestleistung von 3,33 Metern. Beim ersten Versuch über den neuen Hausrekord von 3,40 Metern fiel die Latte, doch dies stellte sich nur als Schönheitsfehler heraus, war im Nu korrigiert und Anna konnte über eine neue Bestmarke jubeln. In diesem Augenblick war klar, dass sich die MTVerin bereits in den Medaillenrängen befand, denn mit ihr waren nur noch die Favoritin Line Gretzler (Mainz) und die zweitbeste Deutsche, Juna Duvenbeck (Dortmund), im Rennen. Die als Drittbeste gemeldete und als starke Widersacherin ausgemachte Melissa Petkau (Horn-Bad Meinberg) war schon nach 3,05 Metern auf der Strecke geblieben. Also war jetzt nur noch die Frage offen:
Wer gewinnt welche Medaille? Während die Mainzerin, die bereits 3,80 Meter als Bestleistung aufweisen kann, ihr Programm scheinbar unantastbar herunterspulte, entspann sich das Duell um Silber bei 3,50 Metern: Diese Höhe meisterten die Dortmunderin – bisherige Bestleistung 3,53 Meter - und die MTVerin auf Anhieb. Damit schraubte Anna Rieger ihren Hausrekord um beachtliche 17 Zentimeter nach oben. 3,55 Meter aber schafften beide nicht mehr, und unmittelbar danach stand Anna als deutsche Vizemeisterin fest, denn Juna Duvenbeck hatte einen entscheidenden Fehlversuch mehr auf ihrem Konto als die MTVerin. Meisterin wurde wie erwartet Line Gretzler, doch auch ihr gelangen nach 3,55 Metern keine gültigen Versuche mehr. Anna Rieger aber kann auf diesen völlig unerwarteten Erfolg überaus stolz sein, zumal sie umgehend nach dem Wettkampf von Bundestrainer Alexander Gakstedter die Aufnahme in den Bundeskader avisiert bekam.

Die drei Medaillengewinnerinnen (von links): Vizemeisterin Anna Rieger (Silber), Meisterin Line Gretzler und die mit Bronze dekorierte Jans Duvenbeck
Die drei Medaillengewinnerinnen (von links): Vizemeisterin Anna Rieger (Silber), Meisterin Line Gretzler und die mit Bronze dekorierte Jans uvenbeck
Die besten deutschen U16-Stabhochspringerinnen bei der Siegerehrung mit Vizemeisterin Anna Rieger (Zweite von links)
Die besten deutschen U16-Stabhochspringerinnen bei der Siegerehrung mit Vizemeisterin Anna Rieger (Zweite von links)