Nur Zentimeter fehlen Paul Stebner zu Bronze
Auch ohne Medaille – und dabei ging es wirklich knapp zu – können Klara Härke und Paul Stebner mit ihrem Auftritt im Bochum‑Wattenscheider Lohrheidestadion mehr als zufrieden sein, und zum Teil wurden die Erwartungen noch übertroffen. Klara Härke als Jugendliche nahm es im Stabhochsprung mit den Athletinnen der U23‑Juniorinnenklasse auf, Paul Stebner stürzte sich über 100 Meter und 110 Meter Hürden in U18 in das Abenteuer „deutsche Meisterschaften“.
3,60 Meter waren für die Stabhochspringerinnen schon eine ambitionierte Anfangshöhe, und es zeigte sich gleich zu Beginn, dass nicht nur MTVer hin und wieder mit dem für den Absprung unabdingbaren Mut im Clinch liegen. So fielen schon bei diesen 3,60 Metern bereits zwei höher gehandelte Springerinnen mit „Salto Nullo“ aus. Klara Härkes Körpersprache verriet bei dieser nicht einfachen Aufgabe erstaunliche Sicherheit, und genau so entledigte sich die MTVerin dieser Herausforderung souverän. Der MTVerin schienen die wechselnden Windverhältnisse überhaupt nicht auszumachen, und sie zeigte Absprünge mit großer Dynamik. Und genau dies sollte bei den folgenden Höhen zum Problem werden: Ihr Sprungstab wurde für ihre Angriffslust zu weich, und genau das jetzt benötigte Sprunggerät war nicht mehr rechtzeitig eingetroffen. So musste Klara, diesmal in Vertretung seiner Tochter unter der Anleitung von Klaus Roloff agierend, mit den Gegebenheiten klarkommen. Und erneut erwies sich die MTVerin als Künstlerin der letzten Versuche: 3,80 Meter und 3,90 Meter überwand sie beide im dritten Anlauf. Da auch für sie diese Höhe nicht alltäglich ist, zeigten sich Athletin und Trainer zufrieden – auch wenn die so sehr gewünschten vier Meter nicht gelingen wollten. Am Ende stand ein guter fünfter Platz im Feld der älteren Kolleginnen; es zeigte sich in der Endabrechnung, dass Klara ein paar Fehlversuche zu viel auf dem Konto hatte – Fehlversuche, die sie die mögliche Silbermedaille kosteten. Bei Paul Stebner ging ebenfalls knapp zu mit einem Resultat, mit dem man im Vorfeld überhaupt nicht gerechnet hatte. Nach nur zweieinhalb Wochen direkter Vorbereitung – bis dahin hatte sich Paul eher um den Mehrkampf gekümmert – stand der 15‑jährige MTVer im Vorlauf über 100 Meter ohne Ambitionen auf das Weiterkommen ins Halbfinale. Doch genau dies gelang Stebner, der sich mit neuer Bestzeit von 11,04 Sekunden (bisher 11,17 Sekunden) immer weiter zum Zehnerbereich hin vortastet. Seine Teilnahme an der nächsten Runde war schon Überraschung genug, und so endete sein Engagement erwartungsgemäß im Halbfinale. Hauptaugenmerk war der Start über 110 Meter Hürden – hier spekulierten Athlet und Trainer ein wenig mit einem Platz im Endlauf; Stebner lag nach der Vormeldung auf Rang 14, musste also sechs Konkurrenten hinter sich lassen. Aber mit 14,68 Sekunden und einem technisch unsauberen Rennen schien dieser Wunsch in weiter Ferne. Immerhin: Das Halbfinale war erreicht, und so sprachen Paul und Klaus Roloff umgehend über mögliche Korrekturen. Und diese zeigten sofort Wirkung: Mit 14,36 Sekunden stellte Stebner eine neue Bestzeit auf und erreichte als Laufzweiter direkt das Finale ohne den Umweg über Zusatzqualifikationen durch die Zeit. Das große Ziel war geschafft, und keiner sprach mehr über den entscheidenden Vorsprung von vier Tausendstelsekunden. Als Letzter und Achter hatte der MTVer den Endlauf erreicht – was jetzt noch kam, war „Bonus“. Und jetzt endlich zeigte Stebner, was ihn im Training so auszeichnet: Den „Flow“ eines Sprinters und die Aggressivität an den Hindernissen. Niemand im Lager der MTVer hätte es für möglich gehalten, dass bis zum Schluss des Rennens die Chance auf eine Medaille zum Greifen nahe war. Stebner wurde mit erneuter Bestzeit von 14,31 Sekunden überragender Fünfter, nicht einmal zwei Handbreit von der Bronzemedaille entfernt. Geärgert haben sich darüber aber weder der Athlet und sein Trainer noch seine mitgereiste und mitfiebernde Familie.

